Wie verbreiten sich Bodendecker? Ein praktischer Leitfaden für Ihren Garten
Wundern Sie sich, wie ein kleiner Efeu-Setzling es schafft, ganze Flächen zu erobern? Oder wie eine einzelne Pflanze im Beet plötzlich an ganz anderer Stelle wieder auftaucht? Die Art und Weise, wie sich Bodendecker ausbreiten, ist ein faszinierendes Schauspiel der Natur, das Sie gezielt für Ihren Garten nutzen können.
Die Ausbreitungsstrategien von Bodendeckern
Bodendecker sind keine einheitliche Pflanzengruppe; sie nutzen ganz unterschiedliche Strategien, um den Boden zu erobern und dichte Teppiche zu bilden. Im Kern lassen sich ihre Methoden auf vier Hauptmechanismen zurückführen. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, wenn Sie die Ausbreitung entweder fördern oder gezielt in Schach halten möchten. Einige Arten sind wahre Sprinter, während andere sich eher gemächlich und kontrolliert ausbreiten.
Die 4 Hauptmethoden der Ausbreitung im Detail
Jeder Bodendecker hat seine eigene, clevere Methode zur Vermehrung. Ob oberirdisch, unter der Erde oder durch langsames, stetiges Wachstum – hier erklären wir, wie die Pflanzen vorgehen und geben Ihnen konkrete Beispiele an die Hand.
Methode 1: Oberirdische Ausläufer (Stolonen)
Stellen Sie sich lange, kriechende Triebe vor, die über dem Erdboden wachsen – das sind Stolonen. An den Stellen, wo sie den Boden berühren, bilden sie an den sogenannten Knoten neue Wurzeln und Triebe. So entsteht eine eigenständige, neue Pflanze, die wiederum eigene Ausläufer bildet. Diese Methode sorgt für eine schnelle und effektive Bedeckung des Bodens. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Kriechende Günsel (Ajuga reptans), der rasch dichte, trittfeste Matten bildet.
Methode 2: Unterirdische Wurzelausläufer (Rhizome)
Diese Methode ist gewissermaßen die „unsichtbare“ Variante der Ausbreitung. Anstatt über der Erde zu kriechen, bilden diese Pflanzen unterirdische, oft verdickte Sprossachsen, die Rhizome. Aus diesen Rhizomen wachsen in gewissem Abstand neue Triebe und Wurzeln nach oben. Pflanzen wie das Maiglöckchen (Convallaria majalis) oder bestimmte Ziergräser nutzen diese Strategie. Da die Verbindung unter der Erde verläuft, kann es manchmal überraschend sein, wo die Pflanze plötzlich wieder auftaucht.
Methode 3: Absenker bilden und bewurzeln
Einige kletternde oder niedrig wachsende Sträucher und Klimpflanzen nutzen eine besonders einfache, aber wirkungsvolle Taktik. Ihre langen, flexiblen Triebe biegen sich zum Boden. Wo sie die Erde berühren, bilden sie bei ausreichend Feuchtigkeit neue Wurzeln. Aus diesem bewurzelten Triebstück wächst eine neue, unabhängige Pflanze. Klassische Beispiele für diese Methode sind der Efeu (Hedera) und das Kleine Immergrün (Vinca minor).
Methode 4: Langsames Wachstum durch Horstbildung
Nicht alle Bodendecker sind auf schnelle Eroberung aus. Horstbildende Pflanzen wachsen von einem zentralen Punkt aus langsam und kompakt nach außen. Sie bilden dichte Polster oder Horste, die von Jahr zu Jahr an Umfang zunehmen, aber keine aggressiven Ausläufer bilden. Dieses Verhalten macht sie sehr pflegeleicht und einfach zu kontrollieren. Typische Vertreter sind die Elfenblume (Epimedium) oder der Frauenmantel (Alchemilla mollis).
Bodendecker selbst vermehren: So nutzen Sie die Natur
Das Wissen um die Ausbreitungsstrategien können Sie wunderbar nutzen, um Ihre Bodendecker selbst zu vermehren. Das spart nicht nur Geld, sondern ist auch eine einfache Methode, um kahle Stellen im Garten schnell zu begrünen.
Schritt-für-Schritt: Vermehrung durch Stecklinge von Ausläufern
Diese Methode eignet sich perfekt für Pflanzen mit oberirdischen Ausläufern (Stolonen) oder Absenkern:
- Suchen Sie einen langen Ausläufer, der bereits kleine Wurzeln gebildet hat.
- Trennen Sie diesen Trieb mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere von der Mutterpflanze ab. Achten Sie darauf, dass das abgetrennte Stück mindestens ein Blattpaar und Wurzeln hat.
- Pflanzen Sie diesen Steckling direkt an der gewünschten neuen Stelle ein und halten Sie die Erde in den ersten Wochen gut feucht.
Schritt-für-Schritt: Vermehrung durch Teilung horstbildender Stauden
Horstbildende Bodendecker lassen sich am besten durch Teilung vermehren. Der ideale Zeitpunkt dafür ist das zeitige Frühjahr oder der Herbst.
- Graben Sie den gesamten Horst vorsichtig mit einer Grabegabel aus dem Boden.
- Teilen Sie den Wurzelballen mit einem Spaten oder einem großen Messer in mehrere Stücke. Jedes Teilstück sollte über ausreichend Wurzeln und Triebe verfügen.
- Pflanzen Sie die Teilstücke sofort wieder am neuen Standort ein und wässern Sie sie gründlich.
Wachstum steuern: Ausbreitung fördern oder begrenzen?
Je nach Gartensituation kann der Ausbreitungsdrang von Bodendeckern Segen oder Fluch sein. Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Sie das Wachstum jedoch gut in die gewünschte Richtung lenken.
Tipps zur Förderung eines dichten Pflanzenteppichs
Wenn Sie eine kahle Fläche schnell begrünen möchten, können Sie die Ausbreitung aktiv unterstützen. Sorgen Sie für einen lockeren, unkrautfreien Boden, damit die Ausläufer leicht Wurzeln schlagen können. Eine regelmäßige Wasserversorgung nach dem Anpflanzen und eine dünne Schicht Kompost im Frühjahr geben den Pflanzen die nötige Energie für ein kräftiges Wachstum.
So halten Sie stark wuchernde Bodendecker im Zaum
Manche Bodendecker, insbesondere solche mit Rhizomen, können sehr dominant werden. Um sie in ihren Grenzen zu halten, können Sie die Ränder des Beetes einmal im Jahr mit einem Spaten abstechen und die Ausläufer entfernen. Bei besonders wuchsfreudigen Arten kann auch der Einbau einer Wurzelsperre sinnvoll sein, um zu verhindern, dass sie in andere Gartenbereiche vordringen.
Den richtigen Bodendecker für Ihre Zwecke finden
Die Wahl des richtigen Bodendeckers hängt stark von Ihrem Ziel ab. Möchten Sie schnell eine große Fläche bedecken oder suchen Sie eine pflegeleichte Pflanze für eine klar abgegrenzte Rabatte? Bei Heckenpflanzen Heijnen finden Sie eine große Auswahl für jeden Bedarf:
Indem Sie die Wuchsform verstehen, können Sie eine bewusste Entscheidung treffen und einen Garten gestalten, der nicht nur schön aussieht, sondern auch auf lange Sicht pflegeleicht bleibt.